morphoPoly Labor in der Seestadt Aspern

Nach einem Jahr Arbeit im Projektraum an der Universität für Angewandte Kunst veranstaltet das Team ein Labor in der Seestadt Aspern.

Einen ganzen Monat lang, im September 2022, sind wir vor Ort, um mit Kindern (6 – 12) ein Stadtbauspiel zu entwickeln.

Dies geschieht vornehmlich zu den Wochenenden, am Freitag und Samstag. Wir laden die Kinder der Seestadt, und Kinder aus ganze Wien ein, mit uns in Teams von 2-3 Kindern zu arbeiten. Es wird auch Exkursionen in die Umgebung und Sessions mit sinnlichen Materialien wie Lehm, Ton, Holz etc. geben. Während der Woche gibt es Präsentationen, Konversationen, performative Exkursionen, Screenings mit Gästen.

Zeit: 10. – 30. September 2022 Termine nach Vereinbarung und Aushang >>> Spielrunden an Samstagen 10., 17. & 24. September jeweils 11.00, 13:00 & 15:00
Ort: Anna-Bastel-Gasse 1 (Eva-Maria-Mazzucco-Platz), Seestadt, 1220 Wien
Anmeldung bitte unter: katherina.zakravsky@uni-ak.ac.at

Zentrale Themen sind die ökologische Transformation des urbanen Lebens als Ko-Existenz in einander greifender Habitate, das Verhältnis unterirdischer und unterschwelliger Netzwerke und Kanäle mit der manifesten Stadt, die Frage von Flächen und Bauplätzen, einer neuen Kultur des temporären und anonymen Bauens und Adaptierens, die “Gamification” von Ökonomie und Bildungswesen, das heikle Gleichgewicht der digitalen, virtuellen Stadt mit der analogen in drei und mehr Dimensionen, und die unterschätzte Bedeutung haptischer, multisensorischer Kompetenzen für das urbane Leben im 21. Jahrhundert.

Wir spüren auch den Klangräumen und Gesängen von “morphoPoly”, dieser Stadt der Städte, dieser Brutstädte bewohnbarer Stadtlandschaften, nach.

Flyer herunterladen (PDF)

morphoPoly KinderUniKunst Workshop

Der morphoPoly KinderUniKunst Workshop fand am 12., 13. und 15. Juli zwischen 9 und 13 Uhr an der Angewandten statt.

Den Kindern wurde ein Raum angeboten, in dem sie gemeinsam eine Stadt bauen konnten.

Dafür konnte alles verwendet werden, wie z. B. Materialien wie Bauklötze, Naturgegenstände, Packpapier und Modelliermasse.

In dieser Stadt gibt es viele Bewohner, über die Geschichten erzählt wurden. Dabei sind animierte Kurzfilme entstanden.

Die gebaute Inselstadt am Meer besteht aus verschiedenen Bezirken und hat je nach Bereich verschiedene Aufgaben. Es gibt einen Wüstenteil, der jedoch gut bewässert ist und es werden dort Obst und Gemüse angebaut. Es gibt einen Industriebezirk, in dem viele Produktionsstätten stehen. Einen grünen Wald und dann noch einen sehr dicht bewohnten Bezirk. Jedoch fehlt noch ein Flughafen, damit die Bewohner*innen reisen und Materialien geliefert werden können. Deswegen wird ein Flugzeug geschickt, welches einen Roboter in das Lava-Becken des Industrieviertels hinabfallen lässt. Dort wird der Roboter für den Bau des Flughafens ausgestattet und vorbereitet. Es kommt ein oranger Roboterfreund und hilft ihm aus dem Lavabecken und die beiden beginnen mit dem Bau des Flughafens. Zuerst wird noch das nötige Material über das Flugzeug abgeseilt. Stück für Stück wird das erste Gebäude aufgebaut. Es wird Abend und die beiden beschliessen sich in einem Haus im Industrieviertel auszuruhen. Und da passiert etwas seltsames – über Nacht werden ganz viele Holzstämme angeschwemmt. In der Früh erwachen die zwei Roboterfreunde und entdecken den wertvollen Fund. Vor Freude springt der orange Roboter und fällt dabei ins Meer – sein Freund zieht in wieder ans Land. Zwei Jahre lang bauten die zwei Freunde nun mit am Flughafen. Es ist ein Flughafen mit nur einer Start- und Landebahn und einem sehr verwinkelten Straßennetz. Nun wird er endlich mit einem großen Fest eröffnet. Es gibt einen riesigen Heißlluftballon. Die zwei Freunde steigen ein und machen eine Fahrt damit. Der Heißluftballon bringt sie an einen anderen Ort der Stadt. Er bringt sie in den Park, der direkt am Meer liegt. Nach zwei Jahren des Arbeitens haben sie endlich Zeit zum Urlaub machen. Der Roboter geht gleich schwimmen im Teich. Sehr erfrischend! Am Horizont erblicken die beiden Freunde ein großes Schiff das sich ihnen nähert. Wer kann das sein? Sie gehen zum Hafen um die Reisenden zu begrüßen. Siehe da, es ist der Kapitän aus der anderen Stadt. Auch die Komodowarane ziehen nach.

 

Nichts ahnend von der möglichen Gefahren des riesigen Oktopus möchte der Kapitän mit seinem Schiffen am Hafen anlegen. Doch kurz vorher greift der böse Oktopus bereits einmal mit einer Tentakel nach ihm. Der Kapitän schafft es gerade noch zu entkommen, und findet Zuflucht an Land, in einer der luxuriösen Strandhütte im Hafengebiet. Es wird Nacht. Von seinem Schock erholt, zog der Kapitän bereits weiter in einer andere Strandhütte. Von dort ausgehend, macht er sich auf den Weg weiter in die Stadt. Am Strand entlang, über die Strandpromenade gelangt er zur ersten Brücke die ihn über den Fluss bringt. Auch die Komodowarane sind noch aktiv. Wenn es dunkel wird trauen sie sich aus ihren Verstecken im Park heraus und wagen sich in den urbanen Raum. (Etwas, das ihnen noch zum Verhängnis wird). Dann passiert es: Auf einer Brücke mitten im Zentrum der Stadt schlägt der Oktopus zu: Von hinten greift er mit seinen Tentakeln nach dem Kapitän und tötet ihn. Die Leiche bleibt auf der Brücke liegen, der Oktopus flieht über das Meer hinaus in die Dunkelheit. Niemand hat die Tat gesehen. Am nächsten Tag finden die Inselbewohner*innen den Verstorbenen, tragen ihn gemeinsam zum Friedhof der Insel und bahren in auf um ihm zu gedenken. Auch die Komodowarane sind wieder aktiv und beobachten das Geschehen aus der Ferne. Die Bewohner*innen beschliessen zum Schutz und zur Vermeidung weiterer Tote ein Schutzhaus zu bauen. An einem noch nicht sehr stark bebauten Teil der Insel, der ans Wasser grenzt, bauen sie mit verschiedenen Materialien ein Haus. Die Bewohner*innen glauben das die Gefahr von den Komodowaranen ausgeht. Es wird Nacht und die Bewohner*innen begeben sich ins das Schutzhaus, bis auf eine Person, die noch nach ihrer Tasche draußen sucht. Und da taucht auch wieder der Oktopus auf, greift sich sein Opfer und tötet es auf der Stelle. Das Blut spritzt in alle Richtungen und besudelt die Fassade des gerade neu erbauten Schutzhauses. Am nächsten Morgen verlassen die restlichen Bewohner*innen das Haus und finden voller Schrecken den Toten. Aber was ist das? Eine Schuppe vom Oktopus klebt an dem toten Körper. Nach dieser Erkenntnis und dem weiteren Todesfall beschliessen die Bewohner*innen eine Falle zu bauen. Eine der Strandhütten wird dafür umgebaut und eine mutige Bewohnerin platziert sich darin als Lockvogel für den Oktupus. Es dauert auch nicht lange, der Oktopus schlägt abermals zu, jedoch wird das verschiebbare Dach der Hütte nach unten geklappt und sein Kopf von den Tentakeln abgetrennt. So wurde das Wesen besiegt und die Insel war wieder sicher.

www.kinderunikunst.at

Angewandte Festival 2022

Am Ende des Sommer-Semesters, wenn es so richtig heiß wird, zeigt die “Universität für Angewandte Kunst” alles, was sie hat und was sie kann.

Diese Universität ist ja eher ein eigenes Universum für sich, ausgebreitet in mehreren ganz verschiedenen Gebäuden im 1. und 3. Bezirk, die man aber alle zu Fuß gut erreichen kann.

In all diesen Gebäuden arbeiten verschiedene Klassen und Abteilungen, von digitalen Medien bis Sprachkunst, von Keramik bis Transarts. Oft kennen sich die unter einander kaum.

So kommt es dann zu einer Verdichtung von 4 Tagen, dem “Angewandte-Festival”, wo sich aber all diese getrennten Teile nicht so sehr unter einander kennen lernen, als dass jede für sich sich interessierten Gästen und Besucher:innen vorstellt.

Man konnte sich aber gut auf dem für den Verkehr gesperrten Platz vor der alten Hauptuni begegnen, der einen so guten Campus ergeben könnte.

Und auch im Hof Animationsfilme zu sehen war sehr fein und verbindend.

“morphoPoly” haust ja in der Vorderen Zollamsstraße 7, einem Gründerzeitbau mit dem inneren Umbau, mit Waschbeton und einer ganz hohem Atrium, in einem eigenen Raum mit 2 Tischen und 2 Ebenen.

Die wollten wir so vorbereiten, dass alle Besucher:innen, die jederzeit von früh bis spät kommen konnten, etwas davon haben.

So nahmen wir schon im Vorfeld, als draußen Leute schöne Gesänge sangen, um den hohen Raum zu nutzen, alle Sachen in diesem Raum, von den größten bis zu den kleinsten, bis zu jedem Legostein, in die Hand und machten Ordnung. Das hat viele Stunden gedauert, aber auch eine schöne, gemeinsame Stimmung erzeugt.

Wir richteten auch oben auf der zweiten Ebene eine “Sky Lounge” ein mit Matratze, Polster, Tablet und Kopfhörer. Da konnte man gemütlich liegen und die lustigen Bild-Geschichten über morphoPoly 01 sehen und hören.

Denn manch eine Stadt beginnt als ein Traum und eine hingeworfene Skizze auf vergänglichem Material. Und alle Städte enden früher oder später so. Und es sind nur der tiefe, geduldige Boden der Erde und die durch die Körper und Zeiten wanderenden Seelen, die ihr Gedächtnis bewahren.

Und an einer Magnetwand hingen die vielen verschiedenen kleinen Steine und Dinge, mit denen schon seit 2014 in der Seestadt, Aspern Städte gebaut wurden und immer wieder neue gebaut werden können.

Das begann dann auch auf einem Leuchttisch, entlang einer eleganten Wasserleitung im Stile der alten Römer, und wucherte bis zum Schluss über den ganzen Tisch.

Es entstanden mehrere, durch Farben codierte Siedlungen, eine Ober- und eine Unterstadt, über die man sich viele Geschchten erzählen konnte.

Vor allem die Anwesenheit mehrerer riesiger Insekten legte nahe, dass die vielen Orientierungssysteme der Stadt den Menschen nicht gegen die weit überlegene Raumorientierung dieser Konkurrenten der Evolution helfen konnten. Auch dass sie scheinbar kein öffentliches Verkehrsnetz hatten, das alle Teile verband, lässt erahnen, warum auch diese Stadt schließlich verlassen wurde.

Gäste kamen und ließen sich das Projekt erklären und bewunderten die Stadt. Dazu kamen kurze Vorlesungen mit Infographiken über den Bericht des “Club of Rome”, als schon 1972 Experten vom MIT mit Computersimulationen die ökologischen Krisen des 21. Jahrhunderts vorherssagen konnten, ohne dass jemand auf sie hörte.

Da ging es auch um das seltsame und sehr ungeklärte Verhältnis der Bedürfnsse und Begehrlichkeiten vieler in der Stadt versammelter Lebensformen zu den verfügbaren Bauplätzen und Flächenwidmungen und das Versagen der hochmodernen Stadtplanung, gemäß ineinander verschränkter Lebensräumen, und nicht in sauber getrennten Flächen zu denken.

Die Infographik ist ja überhaupt ein großer Verführer. Sie könnte auf einen Blick komplexe System verständlich machen, die der lineare Text nicht erfassen kann.

Doch sie bricht auch komplexe, dynamische Systeme auf allzu simple alte Schemata herunter, wie die Maslowsche Bedürfnispyramide oder die 3 Säulen der Nachhaltigkeit (ökologisch-sozial-ökonomisch) belegen.

Alle Leute des Teams haben daher Infographiken zum gesamten Projekt entworfen, die man an der gegenüber liegenden Magnetwand studieren konnte.

Siebte Bau- und Forschungs-Session 2022

Am 6. September fand die siebte Bau- und Forschung-Session statt.

Das MorphoPoly-Team bestehend aus NAT, ZAK, ROB, JAK, JAM, KELL, SIM, JAM, ROSCH und GUT teilte sich in Untergruppen auf, um zu bauen.

Gruppe ZAK, NAT undd GUT.

Gruppe KELL und SIM.

Gruppe JAM, ROB und JAK.

ROSCH installierte eine Overheadkamera und filmte eine seiner brillanten Zeitrafferaufnahmen des fertigen Modells.

 

 

Vierte Bau- und Forschungs-Sessions 2021

Es ist Winter.
Die Nächte werden sehr lang und die Zeit wird langsam.
Und alle müssen sich immer noch sehr vor dem Virus hüten.
Und die Stadt träumt vor sich hin.
Sie war schon sehr dicht und schön, die Kinder haben sie gut gebaut, oder geholfen, sich selbst zu bauen.
Sie haben ihr auch Geschichte und Geschichten geschenkt.

Dennoch wollte auch das Team von morphoPoly, dieses feine Gemisch aus kindlich gebliebenen Erwachsenen und großen Kindern, versuchen, noch etwas hinzuzufügen – und sei es auch nur, um das besser zu würdigen und zu verstehen, was schon da ist.

Also versammelten wir uns und verteilten Aufgaben mittels der von Jam designten Karten.

Zak konnte wählen: Entweder ein Fußballstadion oder einen Friedhof bauen!
Die Wahl war einfach.

Friedhöfe sind vielleicht nicht unter den Ursprüngen der Stadt, aber sie sind immer auch bedeutsam, wo eine Stadt ist. Denn die Bewohner:innen der Stadt erinnern sich ihrer Vorfahren und errichten Orte und Monumente zu ihrem Angedenken.

Nicht nur die Steine, auch die Menschen, bilden physisch und symbolisch die Schichten, in denen die Stadt wächst, sich ablagert und eben dadurch in ihrer Geschichte lesbar wird.

Gleich neben dem Gefängnis für Eltern fand sich ein geeignetes Grundstück. Was werden die inhaftierten Eltern denken, wenn sie vor ihrem Fenster einen Friedhof sehen?
Da musste er schon sehr schön werden!
Mit einer Umfriedung aus Natursteinen, einer Ecke mit wilden Pflanzen und individuell gestalteten Grabsteinen.
Diese wurden von Teammitgliedern sogar bestellt!

David durfte ein Monument entwerfen, das den (oder einen) Hauptplatz mit einer “Landmark” schmückt.
Es wurde ein sehr poppiges Monument der Dinge.
Eine Bürste auf einem Würfel!
Man könnte sagen: Das verkörpert jene Einheit von Arbeit und Zufall, die eine gute Stadt zum Wachsen braucht.

Jam konnte mit seinen kleinen orangen Elementen, die für fast jedes Wesen stehen können, das in der Stadt lebt, eine “Fridays for Future”-Demo organisieren.

Es geht um die Zukunft einer jeden Stadt. Außerdem lässt uns genau diese Aufgabe, durch die Stadt zu ziehen, um für etwas sehr Wichtiges zu kämpfen, die Straßen und Wege, die es gibt und die es braucht, erst richtig erkennen.

Die Stadt ist ja gerade jener ganz besondere Wohnraum, in dem das Auftreten für Anliegen, die weder das unmittelbare Überleben, noch die alten Rituale betreffen, als solches bewusst durchgeführt und wahrgenommen wird.

Das macht die Stadt zum “politischen” Ort im höchsten Sinne, dem Ort, wo “Bürger:Innen” auf andere “Bürger:innen” treffen; und alle wollen, müssen für oder gegen etwas kämpfen, das ihnen sehr wichtig ist, vor allem auch, wohin es mit ihrer Stadt gehen soll.

Das kann schnell zu Konflikten führen.
Man muss lernen, diese anzuerkennen und auszutragen, ohne Gewalt, aber ehrlich und mit Ergebnissen. Vielleicht durch organisierte Spiele.
Und genau so muss man die Stadt auch bauen und gestalten.

In so einer dichten Stadt wohnen nicht nur Menschen.

Nat hat einige der anderen Wesen gezeichnet, um ihren Lebensraum zu kennzeichnen. Mit der Wahrnehmung beginnt auch der Schutz der Räume, die sie zum Leben und Wohlfühlen brauchen.

Und Sim pflanzte einige hohe Bäume für die Vögel.
Ihre Fähigkeiten beim Ausheben der dafür nötigen Löcher haben auch Zak geholfen.
Der Anfang einer guten Arbeitsteilung!

Dann aber kam die ganz besonders merkwürdige Aufgabe.

Es wohnt nämlich in der Nähe der Stadt ein sehr großes Einhorn, das manchmal Ausflüge macht. Dann fliegt es über die Stadt hinweg, und seine gewaltigen Flügel können manchmal etwas zerstören. Es ist nicht bösartig, nur sehr groß und sehr frei und etwas übermütig.

Auch wenn es landet, kann es manchmal ein paar Einwohner:innen erschrecken.

Daher bekam Jack die Aufgabe, eine Notunterkunft für die Bevölkerung zu entwerfen, denn es kann ja sein, dass nicht nur Einhörner sie bedrohen.
Sie entwarf eine Kuppel am Rande der Stadt, die von einer gebirgsähnlichen Formation verborgen wird.
Das hat was von einem alten Bond-Film.

Und als Gegenstück, am anderen Ende der Stadt, entstand ein magisches Monument mit einem riesigen Fuchskopf, der fast so groß wie ein Berg über die Stadt wacht.

Rosch aber sollte für eine S-Bahn sorgen, die auch dringend nötig ist.
Er fand die blauen Elemente, die noch niemand verwendet hatte, und legte ein funktionales Netz durch die ganze Stadt.


Verblüffend, dass man ein umfassendes Netz, eine flächendeckende Infra-Struktur auch da noch sinnvoll einbauen kann, wo schon große Dichte herrscht!
Nur ein kleines Monument, ein seltsamer, gewellter, Bogen, verschwand so fast völlig unter einer S-Bahn-Brücke.
Jetzt ist es eben ein Ding für Liebhaber:innen, die es erst suchen müssen!

Dritte Bau- und Forschungs-Sessions via ZOOM, 2021

Im Dezember war es wieder soweit: Die ganze Stadt musste in den Lockdown, damit die Spitäler entlastet werden.

Also konnten wir nicht, wie geplant, eine reale Session03 machen, sondern mussten etwas für uns und die Kinder Neues ausprobieren: Eine ZOOM-Session.

Wir waren aber alle, geimpft und getestet, in unserem Projektraum, die Kinder aber bei sich zuhause.

Zuerst waren die Eltern nicht begeistert, da sie fürchteten, das würde eine lange und langweilige Angelegenheit, wie das “Distance Learning”.

Also entwarfen wir ein Design mit maximal 30 minütigen Einzelsitzungen. Jeweils ein Teammitglied würde mit einem Kind sprechen.

Wir würfelten, wer wen treffen würde, und alles fügte sich gut.

4 Erwachsene, inzwischen mit “Battle Names” geschmückt, würden mit 4 Kindern in ein Gespräch eintreten.

Doch die wirkliche Attraktion war das Bildmaterial. Wir hatten eine langsame Handy-Kamerafahrt durch die Stadt (gemacht von Jam), die das Gefühl eines knapp über dem Boden schwebenden Fahrzeugs vermittelte, und sozusagen in alle gemalten Zimmer hineinschauen konnte.

Vor allem aber konnte man so die Stadt gleichsam berühren, und das in Zeitlupe.

Wir hatten auch viele Fotos von der Gesamtstadt, von Nachbarschaften und Details, von Sim. Da konnte Nat live hineinzoomen.

Und schließlich filmte Rob auch die Stadt mit einem Tablet, und konnte so in Echtzeit auf die Kinder reagieren.

Das ist wie eine Ballonfahrt, sagt Jack. Sie hat Fragen vorbereitet, die inspirieren sollen.

Es ist wie wenn die Kinder geschlafen hätten und dann in einem Ballon über der Stadt aufwachen. Sie wissen nicht mehr so genau, was sie persönlich gebaut haben und sehen die Stadt mit neuen Augen, frischen Sinnen.

Die Kinder erzählten Geschichten zu den Dingen, die sie gebaut hatten, aber auch denen, die andere gebaut haben, und wurden durch das Gespräch, die Zeit dazwischen und ihre eigene Fantasie in neue, unbekannte Regionen geführt.

Wo es dann auch neue Geschichten zu entdecken gab.

Dialog 1

Zak und Leni.

Unterstützt von Nat als Bild-Navigatorin.

Leni hat immer viel zu erzählen. Sie erinnerte sich zuerst an ihren ummauerten Garten. Holzstücke standen für hohe Mauern und Pflanzenmaterialien für einen Garten.

In den alten Kulturen nannte man das einen “Locus Amoenus” – einen lieblichen Platz.

Denn wenn rund herum wilde Wälder und wilde Tiere, oder auch trockene Wüste sind (die Sache kommt aus Mesopotamien und Persien und wurde nur später lateinisch so benannt), ist so ein kleiner, geschützter Garten eine vollkommene Zuflucht.

Doch warum, Leni, brauchst du diesen in der Stadt, vor der Stadt geschützten Raum, ja sogar ein nur durch einen Code zu öffnendes Tor?

Einerseits vielleicht, weil in der Nähe der Turm steht, der als Gefängnis für Eltern dient, die ärgerliche Verbote aussprechen. In dieser Zeit sicher zu viele.

Aber die Eltern der Anderen kann man doch nicht einsperren, oder?

Und dann ist da auch eine schöne Brücke, die zugleich auch ein Haus sein könnte, mit einem “Bein” auf diesem und einem auf dem anderen Ufer, denn die Flüsse, Bäche und Teiche bestimmen die Landschaft der Stadt.

Leni wollte dann doch auch eine Wohnstatt für ihre Eltern bauen.

Zwischen diesen Bauten und dem ummauerten Garten gibt es aber auch einen Teich, den Krokodile bewachen.

Krokodile? Die halten doch wohl auch alle anderen Leute fern.

Nein, sagt Leni, sie schützen die Leute und alle Lebewesen vor dem noch schlimmeren Monster, das tief im Teich haust.

Wer hätte das gedacht?

Leni, wie fahren die Leute auf den Straßen der Stadt?

Mit Kutschen.

Die werden wohl von Pferden gezogen.

Wo wächst ihr Futter und wo wird es gelagert, wie verkauft?

Wir sind dann auch bis ins Gebirge gereist, wo vielleicht die Wölfe wohnen. Was geschieht, wenn die Wölfe die Hühner der lokalen Bevölkerung verspeisen wollen? Leni wusste Rat: Sie werden gefüttert.

Am anderen Ende der Stadt gibt es aber auch ein Kino. Es hat Augen.

Warum?

Damit es sich selbst sehen kann! sagt Leni.

Dialog 2

Nat und Emma

Emma sieht sich in Ruhe die Fahrt durch die ganze Stadt an, bevor sie etwas sagt. Nat fragt nach den Schichten der Stadt. Wie alt ist sie? Hat sie immer schon so ausgesehen? Oder haben die Kinder seit letzten Oktober gleichsam Jahrhunderte über einander gebaut?

Und weil es schon so viel Geschichte gibt, gibt es auch Ruinen?

Emma weiß eine und Nat sucht im Bild-Archiv.

Das dauert ein wenig.

Da ruft Emma aus: Ich seh nur Schwarz!

Dann erzählt sie aber Geschichten über Gebäude, die andere gebaut haben, etwa die dichte Anlage von Joel aus der Session 01, mit Turm und Rampen. Sie sieht fast so aus wie die zeitgenössischen “Shelves” des Berliner Architekten Schwitalla.

https://studioschwitalla.com/Berlin-Urban-Shelf

Es ist eher eine neue Anlage.

Wer wohnt wohl da?

Auf alle Fälle auch Pflanzen, die an manchen Stellen die Stadt überwuchern.

Seit der ersten Session hat sich was verändert. Die Strukturen oder die Wahrnehmung?

Emma entdeckt eine Straße, die hinunter in die Natur führt.

Sie kommen auch ins Gebirge. Da wohnen, sagt Emma, Ziegen, Fische, Vögel, vielleicht ein Bär in einer Bärenhöhle, und Eidechsen.

Das sind viele Arten, sagt Nat. Gibt es da auch Konflikte?

Zwischen den Fischen und dem Bären schon!

Emma lacht.

Das ist aber, sagt Nat, auch gut für das Gleichgewicht.

Aber was passiert, wenn der Bär zu den Menschen kommt?

Emma glaubt, dass der Bär lieber bei sich zuhause bleibt. Fern von den Menschen.

Die vielen Wasserstraßen. Sind sie alle sauber?

Wie wird das Wasser genutzt?

Dialog 3 hätte Rob mit Lavinia sein sollen. Doch leider ging sie dann doch lieber Rodeln.

Dialog 3

Kell und Jaron.

Jaron erinnerte sich eher im Stillen, doch Kell fragte ihn nach den bunten Anlagen und den Fabriken mit den runden Türmen (ganz im Stil des 19. Jahrhunderts), die er vor allem am Rand der Stadt gebaut hatte. Denn er hatte bei der Session 02 die Karte gezogen “Bring Farbe in die Stadt”.

Eine dieser Fabriken ist etwas ganz Besonderes: Sie erzeugt nur rechte Schuhe, denn in der Fabrik von der Lavinia (die lieber rodeln ging) werden die linken gemacht.

Am anderen Ende der Stadt.

Neue Konzepte der Arbeitsteilung!

Die Leute wohnen übrigens eher in der Mitte der Stadt (auch eher wie früher).

Auch außerirdische Menschen.

Sie leben friedlich zusammen.

Auch Jaron würde da gerne wohnen, aber eher am Land.

Beginnt das Land am Rand?

Am liebsten aber am großen Fluss.

Der ist allen wichtig, der verbindet auch alles.

Dann gibt es auch die seltsame Rampe aus der Session 01, die alle, die auf dieser Straße fahren, über eine schnurgerade Allee und vielleicht auch einen Bach ganz einfach hinweg schleudert.

Hoffentlich sind alle Fahrzeuge gut gefedert!

Jaron hat auch eine Park-and-Ride-Anlage gebaut, mit einem leeren Parkplatz.

Danach geht es nur noch zu Fuß weiter.

Zweite Bau- und Forschungs-Sessions 2021 | Second Building and Research Session 2021

Am Samstag, den 13. November haben wir die 2 Session durchgeführt.
Gegenüber der 1. Session brachte diese Session viele neue Elemente.

Wir konnten von unserem Projektraum in einen großen Hörsaal umsiedeln. Der Kamerablick von oben war wieder möglich, doch um die Tische konnten sich alle weit freier bewegen.
Das ist wichtig, denn Bauen ist aufregend und macht Spaß.
Da müssen die Kinder manchmal herumspringen, um Bürgermeisterin zu spielen oder Konflikte zu lösen, oder um zu beratschlagen, ob alle Erwachsenen in ein Gefängnis müssen.
Warum in ein Gefängnis?

Es ist wohl ein gewöhnlicher Fall kindlicher Selbsterermächtigung, es ist aber auch ein Reflex der Corona-Epoche. Eltern müssen Kindern erklären, dass sie nicht hinausdürfen, dass sie nicht ohne Maske in Busse und U-Bahnen dürfen, dass sie zu ihrem eigenen Schutz drinnen bleiben müssen etc.
In einer Retourkutsche wollen nun im Gegenzug die Kinder die Eltern einschließen.
Zugleich ist das aber auch eine der ältesten Erzählungen über die Stadt überhaupt.
Die Stadt begann sehr oft als eine Festung, von Mauern umschlossen, gebaut zum eigenen Schutz, um an erhöhter Position sehen zu können, wenn Feinde anrücken.
Die, die in der Burg ausharren, bis die Gefahr vorüber ist, waren die Keimzellen der Bürger und Bürgerinnen.
Die heute zugleich eine allgemeine Klasse aller, die zivile Tugenden ausüben können, wollen, müssen, und eine umstrittene Klasse von (üblicherweise) zweien sind.

Was machten aber die Kinder, zugleich BaumeisterInnen und zukünftige BürgerInnen, bei dieser zweiten Session?

Das Team stellte alle Platten von Session 01 zusammen und markierte Plätze für neue.
Die Stadt wuchs und aus Platten wurden Stadtteile.
Die Abschnitte der Session waren so strukturiert, dass das individuelle Bauen für sich von Anfang an eine Perspektive in Hinblick auf eine größere, gemeinsame Stadt hatte.
Doch wieder wurden ummauerte Gärten nur für mich und kleine Festungen nur für mich, oder nur für die Eltern, angelegt.

Um den Übergang zum gemeinsamen Bauen für alle zu erleichtern, haben wir Spielkarten (designed von Jan) eingesetzt. Sie stellen Aufgaben, wie etwa das Finden des Zentrums oder das Einbringen von mehr Farbe oder das Anlegen neuer Wohnanlagen.
So entstanden ein Kino und eine Fabrik, neue Straßen und bunte Anlagen am Rande der Stadt.
Doch wie das alles zusammen funktioniert, werden wir noch genauer herausfinden müssen.

Neu war auch eine kleine Vorlesung mit im Netz frei verfügbaren Bildern (gestaltet und gehalten von Kath) am Anfang der Session.
Sie handelte von der Straße im allgemeinen.
Wo kommen all die Straßen her und wo führen sie hin?
Dazu später mehr.
Die zweite Session mit fotografierten Wimmelbildern aus Büchern über die Geschichte der Straße und das aktuelle Zuhause wollte technisch nicht klappen.
Also mussten wir uns die Bilder im Kopf selber machen.
Das ging ganz gut, und ist sicher noch ausbaufähig.

Second  Building and Research Session 2021

On Saturday 13 November we held the 2 session.
Compared to the 1st session, this session brought many new elements.

We were able to move from our project room to a large auditorium. The camera view from above was possible again, but everyone could move around the tables much more freely.
That’s important, because building is exciting and fun.
Sometimes the children have to jump around to play mayor or to solve conflicts, or to discuss whether all adults have to go to prison.
Why go to prison?

It’s probably a common case of child self-empowerment, but it’s also a reflex of the Corona Era. Parents have to explain to children that they are not allowed out, that they are not allowed on buses and subways without a mask, that they must stay inside for their own protection, etc.
In a tit-for-tat response, the children now want to lock the parents inside.

At the same time, this is also one of the oldest narratives about the city as such.
The city very often began as a fortress, enclosed by walls, built for its own protection, in order to be able to see from an elevated position when enemies were approaching.
Those who hold out in the castle until the danger has passed were the stem cells of the burghers and citizens.
Who today are at once a general class of all who can, will, must exercise civil virtues, and a contested class of (usually) two.

But what were the children, at once bona fide builders and future citizens, doing at this second session?

The team put together all the slabs from Session 01 and marked places for new ones.
The city grew and slabs became neighbourhoods.
From the start the sections of the session were structured in such a way that individual building had a perspective in terms of a larger, common city.
But again, walled gardens were built just for “me”, and small forts just for “me”, or just for the parents.

To ease the transition to building together for everyone, we used playing cards (designed by Jan). They set tasks, such as finding the centre or adding more colour or creating new housing.
This is how we created a cinema and a factory, new streets and colourful facilities on the outskirts of the city.
But we will have to find out more about how all this works together.

Also new was a small lecture with pictures freely available on the net (designed and held by Kath) at the beginning of the session.
It was about the street in general.
Where do all the roads come from and where do they go?
More on that later.
The second lecture with photographed detail-rich pictures (“Wimmelbilder”) from books about the history of the street and our current homes did not work technically.
So we had to make the pictures ourselves in our heads.
That went quite well, and there is certainly room for improvement.

Erste Bau- und Forschungs-Session 2021

Die Session01, die erste von dreien im Jahre 2021, hat am 23. Okt. stattgefunden, im mit Holzverkleidungen gleichsam zur Zweistöckigkeit erhöhten Projektraum des Projekts.

Diese Eigentümlichkeit machte es möglich, dass der Dokumentarist Walter über dem Tisch, an dem 5 Kinder bauten, Platz nehmen konnte, um von ihnen unbemerkt einen Animationsfilm aus Einzelbildern und weitere Aufnahmen zu machen.

Die 5 Kinder trafen erstmals aufeinander und hatten zunächst die Freiheit, individuell auf leeren Platten zu bauen. Dazu wurden von den Experten Robert und Natali Materialien aus Naturbeständen (Moose, Blüten die wie kleine Bäume aussehen, Gräser, die wie Nadelbäume aussehen etc.) und Holzbausteine zur Verfügung gestellt.

Erstaunlich war vor allem die Möglichkeit, aus gewöhnlichem Einpackpapier Gebirge zu formen.

Die Grundaufgabe für die 1. Session ist die Straße als Grundelement der Stadt, aber auch als die Grundstruktur, durch die Stadt und Land zusammenhängen, indem sie durch Straßen zugleich getrennt erscheinen.

Wo sollen die Straßen verlaufen? Wo sollen sie verlaufen, wenn die Landschaft von Gebirgen, Flüssen, Wäldern durchzogen ist?

Ist es eine Modellstadt oder eine Modelllandschaft? Und wenn es ein Hybrid aus beidem ist, wird es dafür einen Namen, einen begriff, ein festes Modell geben?

Oder ist es nicht gerade das Wesentliche an diesem morphenden Gebilde, dass wir es nicht zu nennen, nicht festzuschreiben wissen?

Die Kinder fragen, während sie bauen, warum sie bauen. Das Bauen wird die Antwort geben.

Es entsteht zum Beispiel ein Gebilde, in dem die Natur unten ungestört gedeiht, während alles von und für Menschen Gebautes nur darüber möglich ist.

Im zweiten Teil werden die Kinder eingeladen, an vom Team vorgeformten Platten weiterzubauen. Das tun sie, doch lieber ist ihnen ihr eigenes Werk.

So lernt das Team auch von den Kindern, die nicht Erforschte sondern selbst die Forschenden sind.

Die Session endet mit der Zusammenführung der Platten zu einer großen Stadtlandschaft.

Die Flüsse und Seen werden mit einander verbunden, die Straßen verlängert, es entstehen dichte und offene Zonen.

In einem etwas heiklen Schritt wird schließlich ein Set von Figuren, Menschen und Tiere nach dem „Playmobil“-Typus, in das Modell gesetzt, um sich besser vorzustellen, wie es wäre, dort zu wohnen und sich durch diese Landschaft zu bewegen.

Das wäre auch anders gegangen, zugleich phantasievoller, abstrakter und konkreter.

Das werden wir beim nächsten Mal berücksichtigen.

Doch eines hat es schon gebracht: Die Kinder konnten die Figuren dahin setzen, wo es ihnen am besten gefallen würde, zu verweilen. Am Ufer des Flusses oder mitten im Wald oder oben auf dem höchsten Gebäude, wo der goldene Vogel sitzt.

Er ist entweder ein echter, sehr großer Vogel, oder ein Monument.